Registrierkassenpflicht 2027 in Deutschland: Was du als Schausteller jetzt wissen musst

Stand: Mai 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten · Autor: Octobox Redaktion
Kernfakten in 30 Sekunden
- Die Bundesregierung plant ab dem 01.01.2027 eine bundesweite Registrierkassenpflicht für Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 100.000 €.
- Schausteller sind grundsätzlich betroffen, wenn ihre Umsätze die Schwelle übersteigen. Mögliche Ausnahmen für saisonale Anbieter sind in der politischen Diskussion, aber bislang nicht beschlossen.
- Eine zertifizierte Technische Sicherheitseinrichtung (TSE) ist seit dem 01.01.2023 für elektronische Kassen ohnehin Pflicht – neu ist, dass die offene Ladenkasse für viele Betriebe wegfällt.
- Bußgelder und Schätzungen durch das Finanzamt drohen bei Verstößen gegen das Kassengesetz.
- Was du jetzt tun solltest: Saisonstart 2027 ohne Hektik planen – Hardware aussuchen, Daten vorbereiten, Schulung vor der Saison einplanen.
Was bedeutet die Registrierkassenpflicht 2027 für Schausteller?
Die Registrierkassenpflicht 2027 verpflichtet Schausteller mit einem Jahresumsatz über 100.000 €, alle Bareinnahmen elektronisch und unveränderbar zu erfassen. Eine offene Ladenkasse, also das Kassieren in eine Geldschale ohne elektronische Aufzeichnung, reicht für diese Betriebe nicht mehr aus. Stattdessen wird eine elektronische Kasse mit zertifizierter TSE Pflicht.
Hintergrund: Die schwarz-rote Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag 2025 eine Registrierkassenpflicht angekündigt, die ab dem 01.01.2027 gelten soll. Ziel ist es, Steuerhinterziehung im Bargeldgeschäft schwerer zu machen. Der konkrete Gesetzentwurf wird 2025/2026 erwartet.
Für dich als Schausteller heißt das: Wenn du bisher mit offener Ladenkasse oder einer einfachen Kassenführung gearbeitet hast, musst du dich auf eine Umstellung vorbereiten. Welche Kasse für deinen Betrieb sinnvoll ist, hängt davon ab, wie du arbeitest – mobil oder stationär, mit einem oder mehreren Ständen, mit Saisonkräften oder als Familienbetrieb.
Ab wann gilt die Registrierkassenpflicht – und für wen genau?
Geplanter Stichtag ist der 01.01.2027. Die Pflicht soll für alle Unternehmen gelten, die einen Jahresumsatz von mehr als 100.000 € erzielen – branchenübergreifend, also auch für Schausteller.
Wer genau betroffen ist, hängt vom finalen Gesetzestext ab. Stand Mai 2026 zeichnen sich folgende Eckpunkte ab:
- Klar betroffen: Schaustellerbetriebe mit einem Jahresumsatz über 100.000 €, die ihre Umsätze überwiegend bar abwickeln – also typische Imbiss-, Süßwaren-, Verkaufs- und Spielgeschäfte auf Volksfesten, Weihnachtsmärkten und Festplätzen.
- Möglicherweise ausgenommen: Kleinstbetriebe unterhalb der 100.000 €-Schwelle. Auch für rein saisonale oder mobile Anbieter ohne festen Strom-/Internetanschluss werden Sonderregelungen geprüft – Vorbild ist Österreich, wo es bei der RKSV eine Ausnahme für Verkaufsstellen “im Freien ohne fest umschlossene Räumlichkeit” gibt.
- Bereits heute betroffen: Wenn du heute schon eine elektronische Kasse nutzt, gilt seit dem 01.01.2023 die Kassensicherungsverordnung (KassenSichV). Du brauchst dann ohnehin eine TSE.
Was ist eine TSE – und warum braucht jede elektronische Kasse eine?
Eine TSE (Technische Sicherheitseinrichtung) ist ein vom BSI zertifiziertes Sicherheitsmodul, das jede Buchung deiner Kasse signiert und manipulationssicher speichert. Das Finanzamt kann die Daten jederzeit prüfen – und sehen, dass nachträglich nichts geändert wurde.
Konkret macht die TSE drei Dinge:
- Signieren: Jede Transaktion bekommt eine eindeutige Signatur, die nicht verändert werden kann.
- Speichern: Alle Buchungen werden lokal und revisionssicher abgelegt – auch wenn die Kasse offline ist.
- Exportieren: Auf Verlangen des Finanzamts werden die Daten in einem standardisierten Format ausgegeben.
Die rechtliche Grundlage ist die Kassensicherungsverordnung (KassenSichV), die technischen Anforderungen regelt die BSI Technische Richtlinie TR-03153. Seit dem 01.01.2023 muss jede elektronische Kasse in Deutschland eine zertifizierte TSE haben.
Praxisrelevant für Schausteller: Eine moderne mobile Kasse bringt die TSE in der Regel direkt mit — du musst nichts nachrüsten und keinen zusätzlichen Dienstleister beauftragen. Wichtig ist, dass die TSE auch funktioniert, wenn du gerade keine Internetverbindung hast. Auf vielen Festplätzen ist das Netz schwach — die TSE selbst arbeitet trotzdem lokal weiter.
Was passiert mit der offenen Ladenkasse ab 2027?
Die offene Ladenkasse — also das Kassieren in eine einfache Geldkassette ohne elektronische Aufzeichnung — wird für Schausteller mit Umsätzen über 100.000 € voraussichtlich nicht mehr ausreichen. Für kleinere Betriebe unter der Schwelle bleibt sie nach aktuellem Stand erlaubt, allerdings unter den weiterhin geltenden GoBD (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung).
Konkret heißt das:
- Heute: Offene Ladenkasse ist für alle Betriebsgrößen zulässig, mit dokumentierter Zählung und Tagesabschluss.
- Ab 01.01.2027 (geplant): Betriebe ab 100.000 € Jahresumsatz müssen eine elektronische Kasse mit TSE führen. Offene Ladenkasse genügt nicht mehr.
Wer heute mit offener Ladenkasse arbeitet und in den kommenden zwei Saisons über die Schwelle wächst, sollte die Umstellung vor dem Saisonstart 2027 abgeschlossen haben — nicht erst während der Saison.
Welche Pflichten kommen konkret auf Schausteller zu?
Die Registrierkassenpflicht 2027 wird mehrere Pflichten bündeln, von denen einige heute schon gelten. Hier ein Überblick:
Aufzeichnungspflicht
Alle Geschäftsvorfälle müssen einzeln, vollständig und unveränderbar elektronisch erfasst werden. Das gilt unabhängig vom Zahlungsmittel — Bargeld, Karte, kontaktlos.
Belegausgabepflicht
Seit dem 01.01.2020 gilt nach §146a Abgabenordnung eine Belegausgabepflicht: Jedem Kunden muss ein Beleg zur Verfügung gestellt werden — auf Papier oder digital. Der Kunde muss ihn nicht mitnehmen, aber du musst ihn aushändigen.
TSE-Pflicht
Jede elektronische Kasse benötigt eine zertifizierte TSE (siehe oben). Ohne TSE keine rechtskonforme Kassenführung.
Meldepflicht nach Kassen-Mitteilungspflichtverordnung
Ab voraussichtlich 01.07.2025 musst du dem Finanzamt mitteilen, welche elektronischen Kassen mit welcher TSE in deinem Betrieb im Einsatz sind. Wer mehrere Geräte auf wechselnden Festplätzen einsetzt, sollte die Liste sauber pflegen.
GoBD-Konformität
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoBD) gelten weiterhin: Daten müssen vollständig, unveränderbar, nachvollziehbar und über zehn Jahre aufbewahrt werden.
Welche Sanktionen drohen bei Verstößen gegen das Kassengesetz?
Wer gegen die Kassen-Pflichten verstößt, riskiert mehrere Konsequenzen. Im Vordergrund stehen:
- Bußgelder: Bei Verstößen gegen die Aufzeichnungs-, Beleg- oder Meldepflicht drohen Geldbußen.
- Schätzung durch das Finanzamt: Wenn die Kassenführung nicht nachvollziehbar ist, darf das Finanzamt deinen Umsatz schätzen – meist zu deinen Ungunsten.
- Steuerstrafverfahren: Bei systematischen Manipulationen sind strafrechtliche Konsequenzen möglich.
Aus Sicht der Praxis wiegt die Schätzung für viele Schausteller schwerer als das Bußgeld selbst: Eine Schätzung führt regelmäßig zu Nachforderungen, die in die Tausende gehen können, plus Zinsen und Säumniszuschläge.
Welches Kassensystem passt zu Schaustellern?
Schausteller stellen besondere Anforderungen an eine Kasse. Im Unterschied zu einem stationären Café oder Imbiss ist dein Stand nicht jeden Tag am gleichen Ort, das Netz ist oft schwach, die Witterung wechselt, und Saisonkräfte müssen schnell eingearbeitet sein.
Eine schausteller-taugliche Kasse sollte fünf Dinge können:
- Mobil und robust: Akkubetrieb, kompakte Hardware, geeignet für den Outdoor-Einsatz.
- Offlinefähig: Bestellungen und Bondrucke laufen weiter, auch ohne Netz. Daten synchronisieren automatisch, sobald die Verbindung wieder steht.
- TSE- und GoBD-konform: zertifizierte Sicherheitseinrichtung ab Werk, keine Drittanbieter-Bastelei.
- Schnell eingerichtet: Saisonkräfte sollen ab dem ersten Tag arbeiten können, ohne stundenlange Schulung.
- Cloud-basiert: Tagesabschluss und Reports von überall, auch von unterwegs oder aus dem Wohnwagen am Abend.
Praktisch teilt sich die Hardware-Auswahl in zwei Wege:
- Mobile Handgeräte: Kompakte Android-Handhelds mit integriertem Bondrucker und Kartenleser — ideal für Karussell-Kassen, kleine Verkaufsstände oder als Zweitgerät an Stoßzeiten.
- Kompakte Standgeräte: All-in-One-Kassen mit Touchscreen und integriertem Drucker — gemacht für Stände mit festem Tresenarbeitsplatz, wenig Platz, aber viel Betrieb.
Schausteller-Checkliste – so bereitest du dich auf 2027 vor
Damit der Saisonstart 2027 nicht zur Hektik wird, lohnt sich eine geordnete Vorbereitung. Diese acht Schritte decken die wichtigsten Punkte ab:
- Umsatz prüfen: Liegt dein Jahresumsatz über 100.000 €? Wenn ja: Du fällst voraussichtlich unter die Pflicht.
- Aktuelle Kassenführung dokumentieren: Wie kassierst du heute? Offen, mit elektronischer Kasse, gemischt? Was wird wann wo erfasst?
- Hardware-Bedarf ermitteln: Wie viele Stände, wie viele Bedienpositionen, welche Geräte-Typen? Mobile Handhelds, Standgeräte oder Kombination?
- TSE-Status klären: Wenn du heute schon eine elektronische Kasse nutzt – ist eine zertifizierte TSE integriert?
- Datenbasis vorbereiten: Artikel-Sortiment, Preise, Steuersätze sauber dokumentiert – diese Daten brauchst du für die neue Kasse.
- Lieferung & Einrichtung planen: Hardware rechtzeitig vor Saisonstart bestellen. Wer übernimmt die Konfiguration, wer pflegt die Stammdaten ein?
- Schulung deiner Saisonkräfte: Wer arbeitet in welcher Saison an welchem Stand? Eine kurze Online-Schulung deckt die Standard-Workflows ab.
- Tagesabschluss-Routine festlegen: Wer macht den Abschluss, wer prüft Reports, wo werden die Daten archiviert?
Wer diese acht Schritte bis spätestens Q4 2026 durchgeht, startet 2027 ohne Stress in die Saison.
Octobox – die Kasse, die zum 01.01.2027 startklar ist
Wir haben Octobox so gebaut, dass sie genau zu der Branche passt, die jetzt am stärksten von der Pflicht betroffen ist. Mobile, robuste Android-Hardware. Zertifizierte TSE ab Werk. Offlinefähig. Cloud-Reports von überall. Und mit persönlicher Einrichtung, damit du nicht selbst basteln musst.
Über 3.750 Unternehmen vertrauen Octobox heute schon – von der Stadt-Bäckerei bis zur Imbiss-Kette. Für Schausteller haben wir zwei empfohlene Setups: ein mobiles Handgerät für unterwegs und eine kompakte Standgeräte-Lösung für den Tresen. Welche zu deinem Betrieb passt, klären wir im Beratungsgespräch.
Und weil der Saisonstart 2027 für die Branche eine echte Umstellung wird, haben wir aktuell ein exklusives Einstiegsangebot speziell für Schausteller.
Häufige Fragen zur Registrierkassenpflicht 2027 für Schausteller
Brauche ich als Schausteller ab 2027 eine Registrierkasse?
Ja, sofern dein Jahresumsatz über 100.000 € liegt. Die Bundesregierung plant ab dem 01.01.2027 eine Registrierkassenpflicht für Betriebe oberhalb dieser Schwelle. Schausteller, die heute mit offener Ladenkasse arbeiten, müssen voraussichtlich auf eine TSE-konforme elektronische Kasse umrüsten.
Gibt es Ausnahmen für mobile oder saisonale Anbieter?
Stand Mai 2026 sind keine festen Ausnahmen für Schausteller beschlossen. Sonderregelungen für mobile Verkaufsstellen ohne festen Strom-/Internetanschluss werden politisch diskutiert. Vor Saisonstart 2027 lohnt sich ein Blick auf den dann finalen Gesetzestext.
Was ist eine TSE und brauche ich sie als Schausteller?
Eine TSE (Technische Sicherheitseinrichtung) ist ein vom BSI zertifiziertes Modul, das jede Kassenbuchung manipulationssicher speichert und signiert. Wer eine elektronische Kasse einsetzt, braucht sie seit dem 01.01.2023 — das gilt branchenübergreifend.
Was passiert, wenn ich weiter mit offener Ladenkasse arbeite?
Bei Betrieben über 100.000 € Jahresumsatz wird die offene Ladenkasse ab 2027 voraussichtlich nicht mehr ausreichen. Wer trotzdem weiterhin offen kassiert, riskiert Bußgelder und eine Schätzung deines Umsatzes durch das Finanzamt – letztere meist zu deinen Ungunsten.
Wie funktioniert eine elektronische Kasse, wenn auf dem Festplatz kein Netz ist?
Eine schausteller-taugliche Kasse arbeitet offline weiter: Bestellungen, Belege und TSE-Signaturen werden lokal gespeichert. Sobald die Verbindung wieder steht, synchronisiert das System automatisch in die Cloud.
Brauche ich für jede Kasse eine eigene TSE?
Ja, jede aktive elektronische Kasse benötigt eine zertifizierte TSE. Bei modernen Kassensystemen ist die TSE in der Regel direkt integriert oder lässt sich als Cloud-TSE einer Lizenz zuordnen.
Was kostet eine TSE-konforme Kasse für Schausteller?
Die Kosten setzen sich aus einer monatlichen Software-Lizenz und einmaligen Hardware-Kosten zusammen. Welche Variante zu deinem Betrieb passt, Handheld, Standgerät oder Kombination, und was sie konkret kostet, klärst du am schnellsten in einem Beratungsgespräch.
Wann sollte ich mit der Umstellung anfangen?
Im Idealfall mindestens drei Monate vor dem Saisonstart 2027 – also spätestens Q4 2026. So bleibt Zeit für Hardware-Lieferung, Datenpflege und Schulung der Saisonkräfte, bevor das erste Karussell läuft.
Wo finde ich offizielle Informationen zur Registrierkassenpflicht?
Erste Quellen sind die Webseiten des Bundesfinanzministeriums und des Deutschen Schaustellerbundes sowie die Kassensicherungsverordnung und §146a AO.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- Koalitionsvertrag 2025 — politische Grundlage für die geplante Registrierkassenpflicht 2027
- §146a Abgabenordnung — Aufzeichnungs- und Belegausgabepflicht
- Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) — technische Vorgaben für elektronische Kassen
- BSI Technische Richtlinie TR-03153 — Anforderungen an die TSE
- Bundesfinanzministerium — Kassengesetz & Belegausgabepflicht — FAQ und Praxis-Hinweise
- Deutscher Schaustellerbund — Branchen-Informationen und Position des DSB
Stand: Mai 2026. Dieser Artikel ist eine redaktionelle Einschätzung und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Sprich im Zweifel mit deinem Steuerberater.